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Samstag, 28. Februar 2015

[Buchtipp] "Angelfall" von Susan Ee


Inhalt:


Wenn die Engel die Bösen sind
Die Engel sind auf die Erde gekommen, doch sie haben nicht Frieden und Freude, sondern Elend und Zerstörung mit sich gebracht: Weltweit liegen die Städte in Trümmern, und die Menschen trauen sich vor Angst kaum noch auf die Straße. Als eine Gruppe Engel die kleine Schwester von Penryn entführt, haben sie sich jedoch mit der Falschen angelegt. Die Siebzehnjährige zieht los zum Hauptquartier der Engel, um ihre Schwester zu befreien. Aber dafür braucht sie Hilfe – und die kommt ausgerechnet von Raffe, einem flügellosen Engel ...

(Bild- und Textquelle: Heyne)


Meinung:


Einstieg ins Buch:
Auch wenn es ironisch klingt: Seit den Angriffen sind die Sonnenuntergänge herrlich.
Sechs Wochen sind seit dem Angriff der Engel ins Land gezogen, bei dem die Welt total verwüstest und die Menschheit seither unterjocht wird. Gangs machen die Strassen unsicher und plündern nach und nach die Häuser. Penryn macht sich mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Paige, die im Rollstuhl sitzt, auf, ihre Wohnung zu verlassen und sich auf die Suche nach einer sicheren Unterkunft zu machen, als sie auf eine Gruppe Engel stossen. Dabei wird Paige von einem der rachsüchtigen, geflügelten Wesen entführt.

Die Engel haben in diesem Buch nichts mit den sanftmütigen, Harfe spielenden Geschöpfen in weissen Roben zu tun. In "Angelfall" verkörpern sie das Böse, den leibhaftigen Horror. Sie haben Millionen von Menschen umgebracht und die Welt in Schutt und Asche gelegt.

Doch was mich wirklich davon überzeugt, dass uns die Apokalypse erreicht hat, ist das Knacken der Smartphones unter meinen Füssen. Nur das Ende der Welt würde unsere umweltbewussten Technikfreaks dazu bringen, ihr neustes Spielzeug einfach so auf die Strasse zu werfen.     (Seite 12)

Schnell realisiert Penryn, dass es nur eine Möglichkeit gibt, ihre Schwester zu retten, und zwar eine Teamarbeit mit dem Feind, in Form des Engels Raffe. So bilden die beiden eine Schicksalsgemeinschaft und machen sich auf den Weg nach San Francisco. Penryn ist sehr tough und alles andere als auf den Mund gefallen, Raffe ist arrogant und seine Sprüche triefen oft vor Sarkasmus. So sorgen heftige Wortgefechte für reichlich Schmunzelmomente beim Leser.

Die Geschichte wird komplett im Präsens aus der Sicht von Penryn erzählt. Sie ist eine wirklich ausserordentlich toughe, loyale Protagonistin und sie weiss sich mit Worten und Fäusten zu wehren. Um ihr Ziel, ihre Schwester zu befreien, zu erreichen, tut sie alles. Für einmal ist die Heldin nicht aus dem Nichts entsprungen sondern hat einleuchtende Hintergründe, auch wenn diese wirklich erschüttend sind.
An ihrer Seite finden wir den Engel Raffe, der alle gängigen Klischees sogar noch übertrifft: Er sieht noch besser aus, ist noch arroganter und selbstverliebter, er gibt sich unschlagbar und fühlt sich zu gut für diese Welt. Die Momente, in denen man einen kurzen Blick hinter seine Fassade werfen kann, sind wirklich selten gesät, doch diese reichen aus, um ihn sogleich ins Herz zu schliessen.

Susan Ee hat wahrlich sehr facettenreiche und spezielle Charaktere entworfen. Solch schräge Persönlichkeiten wie die Mutter von Penryn sind mir noch kaum untergekommen. Sie stösst einen Einkaufswagen mit leeren Flaschen und faulen Eiern durch die Gegend, fühlt sich von Dämonen verfolgt, verschwindet regelmässig spurlos und taucht an den scheinbar unmöglichsten Stellen plötzlich wieder auf. Dazu kommt, dass man einfach nicht weiss, woran man bei ihr ist und ich befürchte, dass sie total unterschätzt wird.

Sie ist wie eine verwundete Wildkatze. Niemand kann wirklich auf sie aufpassen, es sei denn , man sperrt sie in einen Käfig.         (Seite 212)

"Angelfall" ist nervenaufreibend spannend, vor allem aber auch äusserst brutal. Dessen muss man sich vor der Lektüre wirklich bewusst sein. Auch wenn man nicht zart besaitet ist, muss man Adrenalinschübe und Herzaussetzer in Kauf nehmen. Vor allem gegen das Ende häufen sich die Schockmomente und enden in einem gruseligen Horrorszenario.
Die Geschichte beinhaltet sowohl Elemente einer Dystopie, eines Endezeit-Romans, von Urban Fantasy und mindestens eine Szene könnte auch in einem Horrorbuch zu finden sein. Eine wirklich teuflische Mischung - dramatisch, brisant und mitreissend.

In diesem Moment, während ich den Atem anhalte, rollen die Möglichkeiten wie eine Roulettescheibe durch den Raum.         (Seite 69)

Der Schreibstil von Susan Ee hat mir ausserordentlich gut gefallen. Sie schafft den Spagat zwischen blumigen Beschreibungen und hochgradigen Schockmomenten perfekt. Mit ihren Beschreibungen baut sie eine enorm dichte und düstere Atmosphäre auf, lässt die Spannung immer weiter bis ins beinahe Unermessliche steigen und entwickelt einen so enormen Sog, dass ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen konnte.


Fazit:

Was ist das Geheimrezept von "Angelfall"?
Man nehme die besten Attribute aus den Genres Dystopie, Endzeit-Roman und Urban Fantasy, füge reichlich Schockmomente, Gruseleffekte, Sarkasmus und eine Prise Liebesgeschichte dazu und fertig ist "Angelfall". Eine perfekte Mischung, 1A Lesestoff und alles andere als 0815 .... definitiv lesen!


Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:


Susan Ee: "Angelfall", Heyne Verlag (26. August 2013), 400 Seiten, ISBN 978-3-453-26892-0

Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


Donnerstag, 13. März 2014

[Buchtipp] "Die Verratenen" von Ursula Poznanski

Inhalt:



Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich – Rias Leben könnte nicht besser sein.
Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.

(Bild- und Textquelle: Loewe)




Meinung:


"Ich weiss, dass etwas Furchtbares passiert sein muss, ..."

Schon mit dem allerersten Satz hat mich Ursula Poznanski. Sie stösst uns ins kalte Wasser und so erleben wir, wie eine Mitstudentin der Protagonistin mitteilt, dass drei Kollegen tot seien: bei ihrer Exkursion von Prims überfallen. Erst danach bringt uns die Autorin nach und nach ihre entworfene, dystopische Welt näher. Die Menschen haben sogenannte Sphären gebaut. Diese hoch technologisierten Schutzkuppeln beheimatet aber nur einen Teil der Erdbevölkerung, andere leben in der Aussenwelt. Diese werden von den Sphärenbewohner Prims (von primitiv) genannt.

Als die Protagonistin Ria per Zufall ein Gespräch belauscht, bricht für sie die Welt zusammen. Sie und fünf weitere Studenten sollen Verräter sein und beseitigt werden. Ria ist hin und hergerissen. Wem kann sie noch trauen? Wird sie wirklich abgehört?
Vom ersten Satz an baut Ursula Poznanski eine enorme Spannung auf, die sie ständig noch erhöht, so dass man das Ende regelrecht herbeisehnt und das Buch kaum aus den Händen legen kann.

Die Geschichte wird aus der ich-Perspektive der Elite-Studentin Eleria erzählt. Alle Studierenden werden nach ihrer Leistung, ihrem Können aufgelistet und der Top Ten steht eine glorreiche Zukunft bevor. Ria belegt Platz 7, ihre Talente liegen im Bereich der Kommunikation und Rhetorik. So kann sie aus ihrem Gegenüber lesen wie aus einem Buch. Ria ist wirklich ein toller Charakter. Sie ist sehr ehrgeizig und kann durch ihre Talente ihr Gefühle und die ihrer Mitmenschen beeinflussen und hat alles unter Kontrolle. Als sie dann besagtes Gespräch belauscht, bricht sie innerlich auseinander. Sie weiss nicht mehr, was und wem sie glauben kann und beginnt alles zu hinterfragen. Diese innere Zerrissenheit bringt die Autorin ausgezeichnet aufs Papier.
Ihr Freund Aureljo ist sogar auf Platz eins gereiht. Ihm steht Grosses bevor, vielleicht sogar als zukünftiger Präsident. Nur mich konnte er leider nicht so ganz für sich gewinnen.

Warum habe ich nicht schon vorher Ursula Poznanski gelesen? Ich wollte doch eigentlich schon so lange ...
"Der Verratenen" konnten mich als Gesamtpaket überzeugen. Vor allem die atemlose Spannung, die facettenreichen und so unterschiedlichen Charaktere und die dystopische Welt mit seinen Gegensätzen begeisterten mich.
Aber auch die tolle Verpackung sollte hier erwähnt werden. Mit dem schlichten schwarz-weiss-Cover sticht das Buch definitiv hervor.

Wir legen uns die merkwürdigsten Wahrheiten zurecht, wenn die Realität zu furchterregend wird.         (Seite 172)

Kritikpunkt? Hm, da muss ich erst etwas überlegen .... Ich hätte ganz gerne mehr über die lange Nacht erfahren und Aureljo konnte mich nicht ganz überzeugen ... aber ansonsten war ich einfach froh, dass ich Band 2 gleich griffbereit hatte.

Ich habe mich in Ursula Poznanskis brillianten Schreibstil verliebt!
Sie schreibt sehr flüssig, so dass die Seiten an einem vorbeirasen und obwohl sie das eher auf eine ruhige Art tut, bringt sie das Blut in Wallung, beschleunigt den Puls, und lässt einen selber ein bisschen paranoid werden.


Fazit:

In "Die Verratenen" vereint Ursula Poznanski Dystopie und Thriller und baut eine so enorme Spannung und eine wahnsinnig dichte Atmosphäre auf, dass mich das Buch nach dem Geniessen atemlos zurück liess.
Klar sind einige Aspekte bereits bekannt, aber hier werden sie gekonnt in Szene gesetzt und mit vielschichtigen Charaktere und einem grossartigen Schreibstil abgerundet.
Unbedingt lesen!


Buchtipp von Nicole Forrer





Infos zum Buch:


Poznanski, Ursula: "Die Verratenen", 460 Seiten, Loewe Verlag (9. Oktober 2012), ISBN: 978-3785575468
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre


Infos zur Reihe:


  1. Die Verratenen
  2. Die Verschworenen
  3. ?
   



Donnerstag, 21. März 2013

[Buchtipp] "Dark Canopy" von Jennifer Benkau


Stell dir vor, du musst täglich ums Überleben kämpfen.
Stell dir vor, dein Gegner ist unbesiegbar.
Stell dir vor, du kommst ihm zu nah.
Stell dir vor, du verliebst dich in ihn.

Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr . . .

„Dark Canopy“ ist der erste von zwei Bänden.

(Bild- und Textquelle: Script5)


meine Meinung:

Einstieg ins Buch:
Ich hatte immer behauptet, der erste Percent, der in meinen Wurfradius tritt, würde ihn nicht lebend verlassen.

Aber es kam alles ganz anders.
Die Welt sieht nach dem dritten Weltkrieg alles andere als rosig für die Menschen aus. Die von ihnen eigens künstlich erschaffenen Percents sind als Sieger aus dem Krieg hervorgegegangen und beherrschen seitdem die Welt. Diese Krieger sind stark, furchtlos und sie hassen die Menschen. Doch auch sie haben trotz all ihrer Stärken eine Schwäche: Ihre Haut ist so sensibel, dass sie nicht ans Sonnenlicht gehen können. Damit dieses Problem kein Nachteil ist, wurde "Dark Canopy" erschaffen. Diese Maschine schleudert Staub in den Himmel, der die Sonne verdunkelt.

Genau das sieht man auch auf dem Cover. Der starke Farbkontrast hat mich sofort angesprochen und das Cover ist für mich ein totaer Eyecatcher. Es ist sehr düster gehalten, aufgewirbelter Staub verhüllt den Himmel, nur eine Weibliche Person steht im Sonnenlicht und streckt eine Hand aus.

In dieser düsteren Atmosphäre spielt die Geschichte von Joy. Sie wächst in einem Rebellenclan ausserhalb der Stadt auf und lernt dort von Kindesbeinen an, sich gegen die verhassten Percents zu wehren. Doch eines Tages gerät sie in eine Falle und ihr Leben verändert sich auf drastische Weise: Die freiheitsliebende Joy wird von ihren Todfeinden gefangen genommen und soll von einem von ihnen zur Soldatin ausgebildet werden.

Wegen der Dicke des Buches habe ich es mir zweimal überlegt, ob wirklich "Dark Canopy" meine nächste Lektüre sein sollte. Doch kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, hat mich die Geschichte gepackt. Nur schon die einzelnen Kapitelüberschriften machen hungrig auf mehr, sind sehr gut gewählt und etwas Spezielles:

Kapitel 6
wer sich verstecken muss,
lernt im dunkeln zu sehen.

Kapitel 18
die welt ist grösser, als wir denken -
weit draussen und tief in uns drin.
was mag alles möglich sein?

Die Geschichte ist mehrheitlich aus der Perspektive der Hauptprotagonistin Joy geschrieben, einzelne Kapitel zeigen uns durch Matthial`s Augen, wie es nach der Gefangennahme von Joy im Rebellenlager weitergeht.

Die Charakteren sind sehr facettenreich und interessant gezeichnet. Vor allem Joy hat mir sehr gut gefallen. Das Leben in dieser düsteren Welt und im Rebellenlager hat sie stark und kämpferisch gemacht. So will sie sich mit ihre Lage nicht einfach abfinden, obwohl sie auswegslos scheint. Mit allen Mitteln kämpft sie so für ihre Freiheit und auch ihre Wortgefechte mit dem Percent Neél sind nicht ohne. Jennifer Benkau hat ihre Gefühlswelt sehr schön beschrieben. Toll finde ich es auch, wie sich die Hauptprotagonistin ihre Gedanken macht, einiges hinterfragt und wie sie sich als Person weiterentwickelt. Schon nach kurzer Zeit kann man sich sehr gut in sie hineinversetzen und fühlt mit ihr mit.

Daneben ist Neél, der Percent, der Joy zum Soldaten ausbilden soll. Joy ist überzeugt, er ist wie alle Percents: bedrohlich, egoistisch, brutalt, halt einfach unmenschlich. Als Leser merkt man bald, dass an ihm etwas anders ist. Er weiss dies aber gut vor seinen Kollegen zu verstecken. Sein Charakter hat mich überrascht, überzeugt und war ein Lichtblick in Joys düsteren Welt.

"Helden findet man dort, wo man nicht nach ihnen sucht."

Jennifer Benkau hat mir mit "Dark Canopy" ein weiteres Lesehighlight in diesem Jahr beschert. Das Lesen ihres Erstlingswerks hat mich in einen Rausch versetzt und hat mich aufgewühlt: Eine grosse Liebesgeschichte in einer düsteren Zukunft, die einen wieder einmal die eigene Gesellschaft überdenken lässt. Ein Buch, das nachdenklich macht und überrascht.

Die Autorin schreibt sehr spannend, klar und verständlich. Sie benutzt beim Erzählen viele Metapher und so bekommt man ein tolles Leseerlebnis und ihr Schreibstil hebt sich von der grossen Masse ab, hat Wiedererkennungswert. Sie schafft es, für ihre Geschichte eine passend düstere, emotionsgeladene und aussergewöhnliche Welt zu erschaffen.

Das Ende ist wirklich grausam. Und das nicht nur wegen dem fiesen Cliffhanger, so dass man kaum den zweiten Teil erwarten kann. Dieser soll im Frühling 2013 erscheinen.


Fazit:

"Dark Canopy" ist eine düstere, emotionsgeladene Dystopie, die einem zum Nachdenken anregt und überrascht. Ein packendes Lesehighlight, das einen bei der Lektüre nicht mehr loslässt.


Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

Jennifer Benkau: “Dark Canopy”, 524 Seiten, Script5 (1. März 2012)
ISBN 
978-3839001448

Altersempfehlung: junge Erwachsene, all age

Sonntag, 17. März 2013

[Buchtipp] "Die Bestimmung" von Veronica Roth

Altruan – die Selbstlosen

Candor – die Freimütigen

Ken – die Wissenden

Amite – die Friedfertigen

Ferox – die Furchtlosen

Fünf Fraktionen, fünf völlig verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice, wie alle Sechzehnjährigen ihrer Welt, wählen muss. Ihre Entscheidung wird ihr gesamtes künftiges Leben bestimmen, denn die Fraktion, der sie sich anschließt, gilt fortan als ihre Familie. Doch der Eignungstest, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte, sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich. Damit gilt sie als Gefahr für die Gemeinschaft. Beatrice entscheidet sich, ihre bisherige Fraktion, die Altruan, zu verlassen, und schließt sich den wagemutigen Ferox an. Dort aber gerät sie ins Zentrum eines Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das all derer, die sie liebt, bedroht…
(Bild- und Textquelle: cbt)


meine Meinung:

erster Satz:
“In unserem Haus gibt es nur einen einzigen Spiegel.”

Lange beherrschten gängige Fantasyromane erst mit Vampiren und dann mit Engeln den Jugendbuchmarkt, doch nun rückt ein “neues” Genre in den Vordergrund: Science-Fiction, genauer gesagt Dystopien. Nach dem Riesenerfolg der Trilogie “Die Tribute von Panem” sind viele Autoren auf dieses Trittbrett mit aufgestiegen, doch bis jetzt konnte noch kaum jemand Suzanne Collins das Wasser reichen. Ich sage bewusst “bis jetzt”, denn “Die Bestimmung” hat mich genauso aufgewühlt wie die Panem-Trilogie; besser gesagt, das Buch hat mich umgehauen und ich bin immer noch total begeistert!

Das Chicago der Zukunft, Beatrices Welt. Sie ist 16 Jahre alt und muss sich aus diesem Grund für eine der fünf Fraktionen entscheiden, bei der sie dann ihr Leben lang bleibt. Erschreckend fand ich dabei die Tatsache “Fraktion vor Familie”, sprich, falls Beatrice sich für eine andere Fraktion als die, in der sie aufgewachsen ist, entscheidet, wird sie ihre Familie nicht mehr sehen.

Während dem Einstieg ins Buch erlebt der Leser mit, wie Beatrice in der Fraktion der Altraun zurechtkommt. Sie legt zwar einige Züge der Selbstlosen an den Tag, zweifelt aber selber daran, dass sie in diese Fraktion gehört. Und so hat es mich als Leserin nicht gross überrascht, dass Beatrices Wahl an ihrem grossen Tag auf eine andere Fraktion gefallen ist: die Ferox. Und da der vorhergegangene Eignungstest sie als “Unbestimmte” deklariert hat, war es ihre freie Entscheidung. Dass sie aber keiner Fraktion eindeutig zugewiesen werden konnte, ist für sie eine grosse Gefahr und nach ihrem Eignungstest wurde ihr eingebläut, dass sie ja niemandem verraten dürfe, dass sie eine “Unbestimmte” sei.

Gemeinsam mit den anderen Neulingen der Fraktion durchläuft sie eine brutale Probezeit, an deren Ende nur zehn Juegndliche wirklich aufgenommen werden. Das Leben, das extreme Training und die Prüfungen bei den Ferox erscheinen einem wahnsinnig hart und herzlos. Umso wichtiger sind Freunde. Doch wem kann man wirklich vertrauen, wenn dieses Auswahlverfahren ein Jeder-gegen-jeden ist?

Die Charakteren in “Die Bestimmung” sind sehr facettenreich und machen erstaunliche Entwicklungen durch, allen voran Beatrice. Während dem harten Aufnahmeritual ändert sie ihren Namen in Tris. Ihre Namensänderung verdeutlicht gut ihre Entwicklung: von einem eher altmodischen Namen zu einer modischen Kurzform, von einem grauen, selbstlosen, immer höflichen Mädchen zu einer mutigen, loyalen, taffen Person. Es kommt beim Lesen schön heraus, dass diese Werte schon immer in ihr geschlummert haben und sie so eigentlich perfekt in ihre neue Fraktion passt. Da das Buch aus der Ich-Perspektive von Tris geschrieben ist, bekommt man ihre Gedankengänge, ihre Gefühle sehr schön mit.

Aber auch die anderen Protagonisten haben alle ihren eigenen Charakter und sind weder oberflächlich noch blass. Sie sind alle authentisch und haben der Geschichte noch das Tüpfelchen auf dem “i” verleiht. Four, Christina, Will, Al, Tris`Mutter . . . ich fand sie alle einmalig und auch die nicht so sympathischen Charakteren wie Eric oder Peter konnten mich überzeugen.

Beim Lesen war ich wie in einem Rausch und erwartete auf jeder neuen Seite einen erneuten Verrat, ein weiteres schlimmes Ereignis oder das Aufdecken eines der vielen Geheimnisse. Veronica Roths Schreibstil hat mich total gefangen genommen. Das Buch weist jede Menge Action und Geschwindigkeit auf, so dass man erst zur Ruhe kommt, wenn man die letzte Seite umgeblättert hat.

Das Ende hält auch noch die eine oder andere Überraschung bereit und liess meine Gefühle Achterbahn fahren. Und als ich den Buchdeckel geschlossen hatte, blieb ich einfach nur sitzen – in einer Art Starre – war hin und weg, aber auch ein bisschen enttäuscht, dass das Buch nicht mehr Seiten hatte. Zudem ist der Gedanken, dass ich nun so lange auf den zweiten Band warten muss, eine Qual.

Bei der ganzen Lektüre ist ein Wermutstropfen geblieben. Ich hätte mir mehr Informationen über die Katastrophe gewünscht, die zum Zustand der Stadt und der Aufsplittung in die fünf Fraktionen geführt hat. Ich hoffe, dass man darüber dann in Band 2 mehr erfährt.

“Die Ferox-Wachen schliessen das Tor und verriegeln es wieder. Sie verriegeln es von aussen. Ich beisse mir auf die Lippe- Weshalb schliessen sie das Tor von aussen und nicht von innne? Das sieht ja fast so aus, als wollten sie nicht jemanden aussperren, sondern jemanden einsperren, und zwar uns.”


Fazit:

“Die Bestimmung” ist ein erstaunlicher Debutroman von Veronica Roth, ein absoluter Pageturner und ein Muss für jeden Dystopie-Fan!

Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

Veronica Roth: “Die Bestimmung”, Band 1, 480 Seiten, cbt (19. März 2012)
ISBN: 978-3-570-16131-9

vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


[Buchtipp] "Die Stadt der verschwundenen Kinder" von Caragh O`Brien


Auf Wunsch einer Kollegin habe ich das Buch für unsere Bibliothek angeschafft, obwohl ich nicht so überzeugt war, dass das Buch auch ausgeliehen wird, denn das Cover ist nicht so der Eyecatcher für die heutige Jugend (also zumindest nicht bei uns). Und wirklich, das Buch lag dann relativ lange auf dem Tisch mit den neuen Büchern und da es in der “Kleinen Auswahl” auch gute Kritik bekam, habe ich es dann einmal für mich ausgeliehen.


Infos:

Die junge Gaia gehört mit ihrer Mutter zu den wichtigsten Menschen ihrer Gemeinschaft: Als Hebamme muss sie jeden Monat die ersten drei Neugeborenen an der Mauer der Stadt abgeben – so lautet das Gesetz. Noch nie hat jemand es gewagt, gegen dieses Gesetz und die Herrscher jenseits der Mauer aufzubegehren. Doch dann werden Gaias Eltern verhaftet, und das Mädchen begibt sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Stadt jenseits der Mauer – und nach dem Schicksal der verschwundenen Kinder …

Es ist eine unbarmherzige Welt, in der die sechzehnjährige Gaia aufwächst. Alles ist streng rationiert und jeder träumt von einem besseren Leben. Das ist jedoch nur wenigen Auserwählten vorbehalten, die in einer geheimnisvollen Stadt leben, der Enklave, hinter einer unüberwindlichen Mauer. Alle anderen müssen sich mit dem zufriedengeben, was die Enklave ihnen zuteilt. Der Preis dafür ist hoch: Jeden Monat müssen die ersten drei Neugeborenen an der Mauer abgegeben werden. Wer sich weigert, wird mit dem Tod bestraft, besonders Hebammen wie Gaia und ihre Mutter. Doch dann werden eines Tages Gaias Eltern verhaftet. Für das junge Mädchen zerbricht eine Welt, und sie beginnt Fragen zu stellen: Was geschieht mit den verlorenen Kindern? Als Gaia auf der Suche nach Antworten heimlich die verbotene Stadt betritt, beginnt für sie ein Abenteuer voller Gefahren, und sie macht eine Entdeckung, die das Schicksal der Kinder und die Zukunft der Menschen für immer verändern wird …
(Bild- und Textquelle: Heyne)

Meine Meinung:

Wie am Anfang schon geschrieben, hat mich das Cover nicht überzeugt und ich habe das Buch nur nach Hause genommen, um mal zu schauen, was es denn so sei. Aber einmal begonnen, konnte ich mit dem Lesen kaum mehr aufhören.

Caragh O`Brien zeichnet uns in ihrem Debutroman “Die Stadt der verschwundenen Kinder” eine traurige Zukunft auf. Die Welt ist aufgeteilt in reiche Menschen, die innerhalb der Enklave leben, und in arme Menschen, die sich ausserhalb der Mauern selbst überlassen sind. Etwas komisch fand ich, dass die Leute Brot im Holzofen backen, aber es gibt doch auch weit entwickelte Technik. Von unserer Gesellschaft heute aus gesehen, geht also ein Teil der Entwicklung zurück in die Vergangenheit und der andere in die Zukunft. Aber das hat mich beim Lesen selber kaum gestört, denn die Geschichte von Gaia hat mich voll gefesselt.

Das Buch ist sehr spannend und flüssig geschrieben. Innerhalb des Buches wird die Spannung sehr gut aufgebaut. Zu beginn ist es noch sehr ruhig und man lernt Gaia kennen. Danach weden ihre Eltern verhaftet und dann geht plötzlich alles schnell. Gelegentlich gibt es Rückblicke auf Gaias Kindheit und auf ihre Eltern, so dass man die Situation besser kennen und verstehen lernt. Aber auch diese Rückblenden sind sehr interessant und machen das Buch auf keinen Fall langatmig. Und ganz wichtig für jedes Buch, das mir gut gefällt: Es gab auch Überraschungsmomente, die ich nicht erwartet hätte.

Die Babyabgabe empfand ich als schrecklich und ich musste mehr als einmal überlegen, ob ich das mit mir machen lassen hätte. Nur der Geburtstermin entscheidet, welche Mutter ihr Kind in die Enklave abgeben muss. Als junge Mutter hat es mich erstaunt, dass da nicht mehr Widerstand ausserhalb der Mauern aufkam und Gaia die Erste war, bei der sich das schlechte Gewissen meldete. Und nach der Verhaftung ihrer Eltern wagt sie, was sich sonst niemand traut: Sie schleicht sich in die Enklave.

Das Ende ist offen und ich warte nun gespannt auf den zweiten Teil. “Das Land der verlorenen Träume” kommt am 20. Februar 2012 auf den Markt.

Mein grosser Kritikpunkt gilt immer noch dem Buchcover, denn nachdem ich nun das Buch gelesen habe, passt es noch weniger. Ich weiss nicht, was diese gespiegelten Gesichter mit der Geschichte zu tun haben . . . und auch der Titel ist nach dem Lesen nicht mehr ganz stimmig . . . die Kinder sind ja eigentlich nicht verschwunden. Alle wissen, dass sie in der Enklave leben. Dafür haben mit die “Punkte” bei den Kapitelüberschriften gefallen, denn erst denkt man sich nicht viel dabei und mit der Zeit erfährt man die Bedeutung dafür.

Fazit:

Ein spannende Dystopie, die mich in eine andere Welt entführt hat. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen! Und ich hoffe, dass sich nicht alle vom Cover “abschrecken” lassen und es doch noch die eine oder andere Bibliotheksbenutzerin in die Hand nimmt – und dann nicht mehr weglegt.


Infos zum Buch:

Caragh O`Brien: “Die Stadt der verschwundenen Kinder”, 462 Seiten, Heyne Verlag, 2011
Altersempfehlung: ab 14 Jahren