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Samstag, 2. Januar 2016

[Buchtipp] "Bannwald" von Julie Heiland


Inhalt:


Sie können nicht töten – als Anhänger der weißen Magie erschaffen sie nur. Seit Generationen lebt der friedliche Stamm der Leonen gefangen im Wald, gewaltsam unterdrückt vom Stamm der mörderischen Tauren. 
Als die 17-jährige Robin auf den jungen Tauren Emilian trifft, ist sie sich sicher, dass er sie töten wird. Doch Robin gelingt es zu fliehen – scheinbar. Erst später wird ihr bewusst: er hat sie laufen lassen. Warum?
Als Robin dann ein Reh mit der bloßen Kraft ihrer Gedanken tötet, ist sie zutiefst erschüttert. Was ist mit ihr? 
Robin trägt ein Geheimnis in sich, und es gibt nur einen, der davon weiß – ihr größter Feind.

(Bild- und Textquelle: Fischer FJB)



Meinung:


Einstieg ins Buch:
Ich hasse den Wald. Ich hasse ihn aus tiefstem Herzen. Er tut so, als wäre er mein Zuhause. Aber das ist er nicht. Er ist mein Gefängnis. 

Robin hat mir den Einstieg in die Geschichte wirklich leicht gemacht. Schon die ersten Sätze faszinierten mich und weckten mein Interesse. Wir erfahren gleich einiges über den Stamm der Leonen, die Tauren, die Regeln und bekommen Robins Emotionen zu spüren. Durch die tollen Beschreibungen des Waldes schafft es Julie Heiland von Anfang an, eine spezielle Atmosphäre aufzubauen.

Im Mittelpunkt stehen die Leonen und die Tauren, die Sternenvölker sind. Diese sind an unsere Sternzeichen angelehnt, denn im Buch kommen auch noch Acuarier, Piscarien oder Virginen.
Eigentlich sollten die Sternenvölker im Einklang leben, doch die Tauren herrschen in einem strengen Regime über die Leonen. Diese dürfen ihr Waldstück nicht verlassen, müssen Abgaben leisten und sind den Tauren einfach ausgeliefert. Doch in der Geschichte gibt es immer wieder Andeutungen, dass da ein blinder Fleck in der Geschichte ist und dass da einiges nicht stimmt.

Robin ist eine starke und mutige Protagonistin, hat aber einige Ecken und Kanten, was sie für mich nur smpathischer und authentischer machte. Sie ist eigenwillig und stösst ihre Clanleute ab und zu vor den Kopf. Robin würde alles für die Leonen tun, doch sie ist anders als die anderen. Und je mehr Zeit sie mit Emilian verbringt, desto mehr wird ihr das auch bewusst.
Emilian ist ein Taure und gehört somit zu Robins Feinden. So ist er der perfekte Bad Boy, doch schnell wird klar, dass auch in diesem harten, muskelbepackten Kerl ein weicher Kern steckt.
Laurin ist von klein auf Robins bester Freund. Er möchte sie vor allem und jedem beschützen und ist dabei oft etwas übereifrig. Auch sonst ist er eher ein sanfter, ruhiger Typ.

"Vertraust du mir?", fragt er zurück. [...]
"Dir vertrauen? Soll das ein Witz sein?"
"Du hörst auf deinen Kopf. Nicht auf dein Herz." (Seite 113)

"Bannwald" zeichnet sich vor allem durch die tolle Atmosphäre aus. Julie Heiland schildert den Wald und das Leben mit der Natur äusserst lebendig und lässt immer wieder Beschreibungen mit in die Geschichte einfliessen, so dass man glaubt, das Laub rauschen zu hören. Zudem konnte sie mich mit ihrer Idee mit den Sternzeichen-Völker faszinierenund ich bin gespannt, was da noch alles kommt.
So entwickelt die Geschichte schnell einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch. In sehr vielen Jugendbüchern gibt es die schon zu genügend bekannte Dreiecksgeschichte bester Freund - Protagonistin - mysteriöser Fremder. So auch hier. Meiner Meinung nach hätte es das nicht gebraucht, doch dem Lesespass hat dies trotzdem keinen Abbruch getan.

Als ich zu Hause in mein Bett falle, fühle ich mich sagenhaft wohl. Unbesiegbar. Wie neugeboren. Meine Muskeln zittern noch vor Anstrengung, und ich könnte vermutlich keinen einzigen Schritt mehr machen. Aber es fühlt sich gut an. Als hätte ich all die Jahre etwas unterdrückt und könnte dem nun endlich freien Lauf lassen.     (Seite 159)

Die Geschichte ist meistens aus der ich-Perspektive von Robin erzählt, so dass wir ihre Gefühlswelt sehr schön zu spüren bekommen. Zwischendurch bekommen wir jedoch auch Einblicke in die Mitte der Tauren, was eine rassige Würze ins Spiel bringt.
Julie Heiland schreibt oft in kurzen Sätzen, was beim Lesen eine tolle dynamik entwickelt, so dass ich das Buch an einem Tag verschlungen habe.


Fazit:


Durch Julie Heilands spezielle Idee mit den Sternzeichen und der dichten Atmosphäre zog mich "Bannwald" wortwörtlich völlig in seinen Bann.
Urban Fantasy, die positiv überrascht und zum totalen Pageturner mutiert.



Buchtipp von Nicole Forrer


Infos zum Buch:


Julie Heiland: "Bannwald", FISCHER FJB (21. Mai 2015), 352 Seiten, 978-3841421081
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren




Freitag, 3. Juli 2015

[Buchtipp] "Obsidian 01. Schattendunkel" von Jennifer L. Armentrout


Inhalt:


Als die siebzehnjährige Katy vom sonnigen Florida ins graue West Virginia ziehen muss, ist sie alles andere als begeistert. In ihrem winzigen neuen Wohnort kommt sie in den ersten Tagen nicht einmal ins Internet, was für die leidenschaftliche Buchbloggerin eine Katastrophe ist. Nur mit Mühe lässt sie sich dazu überreden, bei ihren Nachbarn zu klingeln, um "neue Freunde" zu finden. Und lernt so den atemberaubend gut aussehenden, aber bodenlos unfreundlichen Daemon Black kennen. Was Katy jedoch nicht weiß, ist, dass genau der Junge, dem sie von nun an am meisten aus dem Weg zu gehen versucht, ihr Schicksal bereits verändert hat…
Dies ist der erste Band der Obsidian-Reihe von Jennifer L. Armentrout. Bisher sind drei Bände erschienen.

(Bild- und Textquelle: Carlsen Verlag)





Meinung:


Einstieg ins Buch:
Ich blickte auf den Stapel Kartons in meinem neuen Zimmer und wünschte mir, das Internet würde schon funktionieren. Seit ich wegen des Umzugs nichts mehr in meinem Buch-Blog machen konnte, fühlte ich mich wie arm- und beinamputiert.

Es gibt ja viele Protagonisten, die gerne lesen, doch eine Buch-Bloggerin ist mir bisher noch nicht begegnet. So war der Einstieg für mich natürlich sehr geglückt und ich konnte Katy gut verstehen. Sie musste mit ihrer Mutter nach Ketterman ziehen, einem winzigen Ort weit weg von Florida, ihrer alten Heimat. Weder das Internet funktionierte, noch wird ihnen die Post nach Hause geliefert. Katy denkt, sie sei am Ende der Welt angelangt, fühlt sich alleine und im Stich gelassen. Doch da ihre Mutter sofort mit arbeiten beginnen muss, will sie etwas aus ihrem neuen Zuhause machen. Neben dem Lesen arbeitet die Siebzehnjährige nämlich gerne im Garten und so möchte sie sich bei den Nachbarn nach Einkaufsmöglichkeiten erkunden. Dort trifft sie auf die beiden Geschwister Daemon und Dee. Beide sehen ausserordentlich gut aus, doch sonst sind sie total verschieden. Dee freut sich riesig, die neue Nachbarin kennenzulernen und möchte sie gleich zur Freundin. Daemon stösst Katy jedoch zurück und möchte nichts mit ihr zu tun haben.

Durch den einfachen Schreibstil sog es mich schnell in die Geschichte und Jennifer L. Armentrout drückte der Geschichte mit den zum Teil etwas abgehackten Sätzen einen eigene Stempel auf. Obwohl wir die Grundlage - ruhiges Mädchen zieht an einen neuen Ort und trifft dort auf einen attraktiven und mysteriösen Jungen - schon öfters gelesen haben, bindet die Autorin doch viele neue Elemente ein, so dass es mir nie langweilig wurde.

„Ich mochte ihn nicht. Er war ein Mistkerl. Launisch. Aber es hatte kurze Momente mit ihm gegeben – vielleicht nur Nanosekunden -, in denen ich das Gefühl gehabt hatte, den wahren Daemon zu erleben. Zumindest einen besseren Daemon. Und diese Seite machte mich neugierig. Die andere, die Arschseite, nein, auf die war ich nicht neugierig.
Die fand ich irgendwie sexy.“ (Katy, Seite 172)

Daemon kann Katy nicht ausstehen und gibt ihr das auch immer wieder zu verstehen. Katy versteht nicht, warum er sich ihr gegenüber derart abweisend und kratzbürsig verhält und kann ihn so auch nicht ausstehen. Die beiden liefern sich derartig bissige Wortduelle, dass ich mich köstlich unterhalten fühlte. Sobald sich die beiden näher kommen, beginnt es gehörig zu knistern. Jennifer L. Armentrout hat hier das Sprichwort 'Was sich liebt, das neckt sich' wirklich auf die Spitze getrieben und höchst humorvoll und unterhaltsam umgesetzt.

Die Geschichte ist aus der ich-Perspektive von Katy geschrieben. Sie ist ein sehr sympathischer Charakter, die das Herz am rechten Fleck hat und weiss, was sie will - ausser in Sache Liebe.

Die Autorin bringt hier einen Fantasy-Anteil ein, der nicht zu Katys favorisierten Paranormalen gehört. Das ist erfrischend, scheint jedoch ein neuer Trend zu werden.

Fazit:


In "Obsidian. Schattendunkel" mischt Jennifer L. Armentrout alt bekannte Klischees mit neuen Ideen auf, so dass ein kurzweiliger Mix entsteht, den man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen würde. Bissige Wortduelle, die nur so vor Sarkasmus triefen, machen richtig gute Laune, so dass ich mich schon auf die Fortsetzung freue.



Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:


Jennifer L. Armentrout: "Obsidian. Schattendunkel", Carlsen Verlag (April 2014), 400 Seiten, 978-3551583314
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren




Infos zur Reihe:


         


Samstag, 28. Februar 2015

[Buchtipp] "Angelfall" von Susan Ee


Inhalt:


Wenn die Engel die Bösen sind
Die Engel sind auf die Erde gekommen, doch sie haben nicht Frieden und Freude, sondern Elend und Zerstörung mit sich gebracht: Weltweit liegen die Städte in Trümmern, und die Menschen trauen sich vor Angst kaum noch auf die Straße. Als eine Gruppe Engel die kleine Schwester von Penryn entführt, haben sie sich jedoch mit der Falschen angelegt. Die Siebzehnjährige zieht los zum Hauptquartier der Engel, um ihre Schwester zu befreien. Aber dafür braucht sie Hilfe – und die kommt ausgerechnet von Raffe, einem flügellosen Engel ...

(Bild- und Textquelle: Heyne)


Meinung:


Einstieg ins Buch:
Auch wenn es ironisch klingt: Seit den Angriffen sind die Sonnenuntergänge herrlich.
Sechs Wochen sind seit dem Angriff der Engel ins Land gezogen, bei dem die Welt total verwüstest und die Menschheit seither unterjocht wird. Gangs machen die Strassen unsicher und plündern nach und nach die Häuser. Penryn macht sich mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Paige, die im Rollstuhl sitzt, auf, ihre Wohnung zu verlassen und sich auf die Suche nach einer sicheren Unterkunft zu machen, als sie auf eine Gruppe Engel stossen. Dabei wird Paige von einem der rachsüchtigen, geflügelten Wesen entführt.

Die Engel haben in diesem Buch nichts mit den sanftmütigen, Harfe spielenden Geschöpfen in weissen Roben zu tun. In "Angelfall" verkörpern sie das Böse, den leibhaftigen Horror. Sie haben Millionen von Menschen umgebracht und die Welt in Schutt und Asche gelegt.

Doch was mich wirklich davon überzeugt, dass uns die Apokalypse erreicht hat, ist das Knacken der Smartphones unter meinen Füssen. Nur das Ende der Welt würde unsere umweltbewussten Technikfreaks dazu bringen, ihr neustes Spielzeug einfach so auf die Strasse zu werfen.     (Seite 12)

Schnell realisiert Penryn, dass es nur eine Möglichkeit gibt, ihre Schwester zu retten, und zwar eine Teamarbeit mit dem Feind, in Form des Engels Raffe. So bilden die beiden eine Schicksalsgemeinschaft und machen sich auf den Weg nach San Francisco. Penryn ist sehr tough und alles andere als auf den Mund gefallen, Raffe ist arrogant und seine Sprüche triefen oft vor Sarkasmus. So sorgen heftige Wortgefechte für reichlich Schmunzelmomente beim Leser.

Die Geschichte wird komplett im Präsens aus der Sicht von Penryn erzählt. Sie ist eine wirklich ausserordentlich toughe, loyale Protagonistin und sie weiss sich mit Worten und Fäusten zu wehren. Um ihr Ziel, ihre Schwester zu befreien, zu erreichen, tut sie alles. Für einmal ist die Heldin nicht aus dem Nichts entsprungen sondern hat einleuchtende Hintergründe, auch wenn diese wirklich erschüttend sind.
An ihrer Seite finden wir den Engel Raffe, der alle gängigen Klischees sogar noch übertrifft: Er sieht noch besser aus, ist noch arroganter und selbstverliebter, er gibt sich unschlagbar und fühlt sich zu gut für diese Welt. Die Momente, in denen man einen kurzen Blick hinter seine Fassade werfen kann, sind wirklich selten gesät, doch diese reichen aus, um ihn sogleich ins Herz zu schliessen.

Susan Ee hat wahrlich sehr facettenreiche und spezielle Charaktere entworfen. Solch schräge Persönlichkeiten wie die Mutter von Penryn sind mir noch kaum untergekommen. Sie stösst einen Einkaufswagen mit leeren Flaschen und faulen Eiern durch die Gegend, fühlt sich von Dämonen verfolgt, verschwindet regelmässig spurlos und taucht an den scheinbar unmöglichsten Stellen plötzlich wieder auf. Dazu kommt, dass man einfach nicht weiss, woran man bei ihr ist und ich befürchte, dass sie total unterschätzt wird.

Sie ist wie eine verwundete Wildkatze. Niemand kann wirklich auf sie aufpassen, es sei denn , man sperrt sie in einen Käfig.         (Seite 212)

"Angelfall" ist nervenaufreibend spannend, vor allem aber auch äusserst brutal. Dessen muss man sich vor der Lektüre wirklich bewusst sein. Auch wenn man nicht zart besaitet ist, muss man Adrenalinschübe und Herzaussetzer in Kauf nehmen. Vor allem gegen das Ende häufen sich die Schockmomente und enden in einem gruseligen Horrorszenario.
Die Geschichte beinhaltet sowohl Elemente einer Dystopie, eines Endezeit-Romans, von Urban Fantasy und mindestens eine Szene könnte auch in einem Horrorbuch zu finden sein. Eine wirklich teuflische Mischung - dramatisch, brisant und mitreissend.

In diesem Moment, während ich den Atem anhalte, rollen die Möglichkeiten wie eine Roulettescheibe durch den Raum.         (Seite 69)

Der Schreibstil von Susan Ee hat mir ausserordentlich gut gefallen. Sie schafft den Spagat zwischen blumigen Beschreibungen und hochgradigen Schockmomenten perfekt. Mit ihren Beschreibungen baut sie eine enorm dichte und düstere Atmosphäre auf, lässt die Spannung immer weiter bis ins beinahe Unermessliche steigen und entwickelt einen so enormen Sog, dass ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen konnte.


Fazit:

Was ist das Geheimrezept von "Angelfall"?
Man nehme die besten Attribute aus den Genres Dystopie, Endzeit-Roman und Urban Fantasy, füge reichlich Schockmomente, Gruseleffekte, Sarkasmus und eine Prise Liebesgeschichte dazu und fertig ist "Angelfall". Eine perfekte Mischung, 1A Lesestoff und alles andere als 0815 .... definitiv lesen!


Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:


Susan Ee: "Angelfall", Heyne Verlag (26. August 2013), 400 Seiten, ISBN 978-3-453-26892-0

Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


Donnerstag, 19. Februar 2015

[Buchtipp] "Lillesang. Das Geheimnis der dunklen Nixe" von Nina Blazon


Inhalt:


Irgendetwas war in diesem Meer ...

Als Jo und ihre Familie das alte Haus an der dänischen Küste erben, erzählt die kauzige Nachbarin Bente die Geschichte von dem Gongur, der an Land kommt und Menschen ins Meer zieht. Anders als ihre Mutter, die das Wasser meidet, lässt Jo sich von der Alten nicht ins Bockshorn jagen. In der Nacht jedoch wird sie tatsächlich von einer Stimme an den Strand gelockt. Bente kann das schlafwandelnde Mädchen in letzter Minute retten. Was hat es mit dem Nixen-Wesen auf sich? Und warum versteckt Jos Mutter alte Fotos, auf denen Gesichter herausgekratzt sind? Jo ahnt, dass ein uraltes Geheimnis auf ihrer Familie lastet. Sie ahnt nicht, dass Bente den Schlüssel dafür in der Hand hält ...

(Bild- und Textquelle: cbt)



Meinung:


Einstieg ins Buch:
Du willst wohin?" Jos Mutter schrie nicht, aber ihre blauen Augen blitzten vor Empörung und auf ihrer Stirn braute sich das Gewitter zusammen, das gleich auf Jo niedergehen würde.

Mit "Lillesang" richtet sich Nina Blazon wieder einmal an ein etwas jüngeres Publikum, empfohlen wird das Buch ab 10 Jahren. Beim Lesen merkt man das auch, doch geschadet hat es meinem Lesegenuss überhaupt nicht, denn das Buch ist nicht nur optisch ein richtiges Highlight.
Wir begleiten die elfjährige Jo, die wahnsinnig gerne schwimmt und so gerne einmal ans Meer reisen würde. Doch genau damit gerät sie immer wieder mit ihrer Mutter aneinander, denn diese möchte sie am liebsten von allem, das nass ist, fernhalten. Als sie dann das Häuschen direkt an der dänischen Küste erbt, kommt sie nicht mehr drumherum und reist mit Mann und Tochter nach Ishøj, in der Nähe von Kopenhagen. Erst erwartet man eine typische Mädchen-Feriengeschichte, doch dann entdeckt Jo mit ihren neuen Freunden seltsame Dinge in Mettes Häuschen, eine sonderbare Frau taucht auf, Mama verhält sich komisch und in der Nacht geschehen geheimnisvolle und vor allem richtig gruselige Dinge.

"Das Meer ist ein Labyrinth magischer Spiegelungen. Es täuscht und verzerrt, du wirst alles darin sehen, was du erwartest." (Seite 283)

"Lillesang" ist eine Märchenadaption und obwohl diese gerade recht in Mode sind, hebt sie sich von den anderen ab. Hier verarbeitet die Autorin "Die kleine Meerjungfrau" von Hans Christian Andersen und bietet dem Leser ein rasantes und gruseliges Abenteuer durch Kopenhagen und Umgebung. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird die Spannung nämlich gekonnt angezogen und man hängt gebannt an den Seiten von "Lillesang".
Neben der kleine Meerjungfrau verwebt Nina Blazon auch noch die Sage der Gongur in ihre Geschichte und bringt so nicht nur junge Leser zum Gruseln. Und auch sonst wurde es mir als schon erwachsene Leserin nie langweilig, denn die Autorin erwischte mich mehr als einmal auf dem falschen Bein und weiss zu überraschen.


"Siehst du? Nichts ist nur böse oder nur gut. Und wie bei den Drachen und den Prinzessinnen weiss man nie, ob in der schlimmsten Kreatur nicht doch etwas Gutes steckt." (Seite 404)


Gant toll finde ich, wie Nina Blazon das Meer überall mit einbindet. Durch die Handlung, steht die See schon im Mittelpunkt, doch sie schafft es, diese auch durch Redewendungen oder andere Begriffe in die Sprache, in die Geschichte mit einzubinden und zaubert so auch in diesem Kinderbuch eine ganz tolle Atmosphäre.
In "Lillesang" werden einem jedoch nicht nur "Die kleine Meerjungfrau", Hans Christian Anderson und die Gongur näher gebracht. Die Autorin zeigt auch auf, wie wichtig Freundschaft und die Familie ist - und das auf eine sehr schöne Art, denn man soll immer auf sein Herz hören.


Fazit:

Einmal mehr beweist Nina Blazon ihre anscheinend unerschöpfliche Fantasie und entwirft eine eindrückliche Story rund um das Märchen "Die kleine Meerjungfrau" und andere 'meerige' Sagen.
"Lillesang" ist ein rasantes und gruseliges Abenteuer quer durch Kopenhagen und Umgebung und weiss Gross und Klein zu fesseln.

Buchtipp von Nicole Forrer


Infos zum Buch:


Blazon, Nina: Lillesang. Das geheimnis der dunklen Nixe, cbt (1. September 2014), 413 Seiten, 978-3570162873


empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren


Donnerstag, 26. Juni 2014

[Buchtipp] "Nach dem Sommer" von Maggie Stiefvater


Inhalt:


Jeden Winter wartet Grace darauf, dass die Wölfe in die Wälder von Mercy Falls zurückkehren – und mit ihnen der Wolf mit den goldenen Augen. Ihr Wolf.

Ganz in der Nähe und doch unerreichbar für sie, lebt Sam ein zerrissenes Leben: In der Geborgenheit seines Wolfsrudels trotzt er Eis, Kälte und Schnee, bis die Wärme des Sommers ihn von seiner Wolfsgestalt befreit. In den wenigen kostbaren Monaten als Mensch beobachtet er Grace von fern, ohne sie jemals anzusprechen – bevor die Kälte ihn wieder in seine andere Gestalt zwingt.

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Sam weiß, dass es sein letzter Sommer als Mensch sein wird. Es ist September, als Grace den Jungen mit dem bernsteinfarbenen Blick erkennt und sich verliebt. Doch jeder Tag, der vergeht, bringt den Winter näher – und mit ihm den endgültigen Abschied.


(Bild- & Textquelle: Script5)



Meinung:


Die Geschichte von Grace und Sam ist unbeschreiblich schön, fast magisch. Es ist ein ruhiges Buch und doch so spannend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen möchte. "Nach dem Sommer" hat mich völlig in seinen Bann gezogen.

Tausend leuchtende Stern brannten Löcher in mein Bewusstsein und füllten mich mit Sehnsucht.

Maggie Stiefvater erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Grace und Sam. So lernt man die beiden Protagonisten gut kennen und verstehen. Man erhält Einblicke in ihre Gefühlswelt und ihre Vergangenheit.

Zur Kapitelüberschrift gehört auch immer die aktuelle Temperaturangabe. So ahnt man schon, in welchem Kapitel es dramatisch werden könnte, wenn die Temperatur um den Gefrierpunkt liegt.

Der Schreibstil von Maggie Stiefvater ist wunderschön. Sie schreibt sehr blumig mit vielen bildhaften Vergleichen, so dass man sich alles sehr gut vorstellen und mit in die Geschichte eintauchen kann.

Speziell fand ich auch, dass Sam seine Gefühle oft in deutscher Lyrik ausdrückt oder sich im Kopf Songtexte dazu denkt. Es ist sowieso sehr interessant, die Liebesgeschichten aus den beiden Perspektiven heraus mitzuerleben, denn Grace und Sam sind eigentlich ganz unterschiedliche Typen.

Es beginnt eine verzweifelte Flucht vor der Kälte, denn die zwei möchten so viel Zeit wie möglich gemeinsam verbringen. Beide wissen, wenn sich Sam nun zurückverwandelt, wird er für immer ein Wolf bleiben.

Ich sah zu, wie die Spritze sich leerte, und stellte mir vor, dass das ein Heilmittel für Sam sei - flüssiger Sommer, der ihm direkt in die Adern injiziert wurde.

Das Cover ist einfach nur wunderschön und ich finde, es passt super zum Inhalt des Buches. Es wirkt sehr ruhig, vertäumt und schimmert perlmuttfarben. Wenn man ein Stück der Geschichte gelesen hat, erkennt man auch den "goldenen Wald", an den sich Grace immer wieder erinnert. Und die fallenden Blätter setzen sich auch auf der ersten Seite im Buch fort.

Fazit:

Einfach nur schön. Magisch.


Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:


Stiefvater, Maggie "Nach dem Sommer", Script5 (6. September 2010), ISBN: 978-3839001080
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren




Infos zur Reihe:


  1. Nach dem Sommer
  2. Ruht das Licht
  3. In deinen Augen 


Wir haben alle drei Bände in Buchform und als Hörbuch in der Mediathek.