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Donnerstag, 15. September 2016

[Buchtipp] "Mein Herz wird dich finden" von Jessi Kirby


Inhalt:


400 Tage ist es her. 
Vor 400 Tagen ist Mias große Liebe bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Vor 400 Tagen hat Noah eine zweite Lebenschance bekommen. 
Als sie einander begegnen, spüren sie beide sofort, dass sie zusammen gehören. 
Doch nur Mia weiß, dass Noah ihr niemals begegnen wollte. Dass sie gegen seinen ausdrücklichen Willen gehandelt hat, als sie sich auf die Suche nach ihm gemacht hat. Dass Noah niemals wissen wollte, wer vor 400 Tagen ums Leben gekommen ist. Weil es irgendwie nicht richtig ist, dass er weiterleben darf – nur weil jemand anderes gestorben ist.
Mia muss Noah erzählen, wer sie ist. Aber was bedroht ihre Liebe mehr? Eine Lüge – oder die Wahrheit?

(Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)



Meinung:

Einstieg ins Buch:                                                                                                        Woher ich wusste, dass es um ihn ging, als ich kurz vor der Morgendämmerung von den Sirenen geweckt wurde - ich weiss es nicht.

"Mein Herz wird dich finden" bringt ein neues Thema in die Jugendbuchabteilung: Organspende.
Haben Organe Erinnerungen? Was passiert, wenn das Spenderherz der grossen Liebe ein anderer Junge bekommt und man diesem dann begegnet?
Und kann die Wahrheit schlimmer sein als eine Lüge?

Wir lernen Mia genau 400 Tage nach dem tödlichen Unfall ihres Freundes Jacob kennen. Die Trauer bestimmt noch immer ihr Leben und sie versucht, an Jacob festzuhalten. Da er Organspender war, hat sie versucht, mit den Menschen, denen ihr Freund das Leben gerettet hat, Kontakt aufzunehmen. Niere, Lunge, Leber, alle haben sich gemeldet, ausser das Herz - und dabei ist das doch das wichtigste Organ. Da es ihr keine Ruhe lässt, macht sie sich auf, den Menschen zu finden, in dessen Brust jetzt Jacobs Herz schlägt. "Nur schauen, wer er ist", denkt sie .... doch dann trifft sie Noah.

Mia ist einem sofort sympathisch, denn sie wird im Buch über ihre Gefühle definiert. Über ihr Äusseres erfährt man kaum etwas, aber das ist auch zweitrangig. Ihr Leben ist getränkt von Trauer, sie hat sich völlig zurückgezogen und klammert sich an die Hoffnung, im 'Herz-Empfänger' vielleicht doch noch einen Funken ihrer ersten grossen Liebe zu finden.

Eine sanfte Brise weht über meine Haut, es duftet nach Jasmin und etwas anderem, Zartem. Nach Hoffnung vielleicht.     (Seite 83)

Noah ist einfach ein herzensguter Mensch, den wohl jeder sofort in sein Herz schliesst. Von ihm erfahren wir vor allem die Äusserlichkeiten, denn er möchte seine Gefühle nicht offenbaren. Nach seiner schweren Krankheit und der Herzoperation, den vielen Entbehrungen und Ängsten will er endlich wieder ein normales Leben führen, alles machen, was die anderen auch können. Da kommt Mia gerade recht, die von seiner Vergangenheit nichts weiss .....

Und Mia weiss, dass sie Noah unbedingt sagen muss, wer sie ist und warum sie ihn per Zufall getroffen hat. Doch da ist die Angst, Noah zu verlieren, denn bei ihm fühlt sie sich wieder ganz. Kann die Wahrheit schlimmer sein als eine Lüge?

Doch seit Jacob gestorben ist, schleichen alle nur auf Zehenspitzen um mich herum, bedienen mich von vorne bis hinten und verhalten sich, als wäre ich aus Glas. Dabei müssen sie sich keine Sorgen wegen meiner Zerbrechlichkeit machen. Ich bin bereits in tausend winzige Stücke geborsten - unsichtbare Scherben, die man beim Aufwischen übersieht und die sich aber irgendwann schmerzhaft bemerkbar machen, wenn man es am wenigsten erwartet.         (Seite 151)

"Mein Herz wird dich finden" beginnt ganz ruhig und wird dann immer eindringlicher. Die Emotionen entwickeln sich, die Lage spitzt sich zu und als Leser bangt man mit Mia mit. Kriegt sie noch rechtzeitig die Kurve und erzählt Noah die Wahrheit oder ist es schon zu spät?

Das Herz steht in diesem Buch wirklich im Mittelpunkt des Geschehens. Das realisiert man schon, wenn man das wunderschöne Cover betrachtet. Um dies auch in der Geschichte noch zu unterstreichen, hat Jessi Kirby als Einstieg in jedes Kapitel einen Infotext zum menschlichen Herzen oder zur Organspende, Organtransplantation angefügt. Die Kombination aus Lovestory und Hintergrundwissen macht "Mein Herz wird dich finden" zu etwas ganz Besonderem und zu einem Herzensbuch von mir.

Ich habe mich ewig nicht mehr so gut gefühlt wie hier draussen, und ich wünschte, ich könnte dieses Gefühl in Flaschen abfüllen.         (Seite 118)

Fazit:


warmherzig, eindringlich, wunderschön
"Mein Herz wird dich finden" hat mein Herz im Sturm erobert. Mia und Noah, zwei überaus sympathische Charaktere, die sich kennenlernen, Gefühle für einander entdecken und sich immer mehr in einem Netz aus Lügen und Verschweigen verstricken, haben mir ein Lesehighlight beschert.
So kann ich euch die Geschichte von Jessi Kirby nur ans Herz legen ....

Buchtipp von Nicole Forrer


Infos zum Buch:


Jessi Kirby: "Mein Herz wird dich finden", FISCHER Sauerländer (25. Februar 2016), 3689 Seiten, ISBN 978-3737353526
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren




Samstag, 12. Dezember 2015

[Buchtipp] "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." von Sabine Schoder



Inhalt:


Optimistisch gesehen ist Vikis Leben eine Vollkatastrophe. Da kann man schon mal aus Frust ein paar Tüten zu viel rauchen. Da kann es auch passieren, dass man nach einem Konzert mit dem Sänger der Band im Bett landet, obwohl man den eigentlich total bescheuert findet.

Wirklich.
Kein großes Ding.
So was passiert.
Aber ausgerechnet ihr?
Nein!
Ganz.
Sicher.
Nicht.

Oder vielleicht doch?

(Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)





Meinung:


Einstieg ins Buch:Auf dem schwarzen Kleid kleben Flecken, wo meine Knie es in die weiche Erde gedrückt haben. Eins meiner Schuhbänder hat sich gelöst und schleift meinen Schritten hinterher. Ich möchte mich danach bücken, aber der Strom der Erwachsenen schiebt mich weiter.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich gedachte habe, mit "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." eine gewöhnliche Liebesgeschichte für Jugendliche in der Hand zu halten. Dass mich Sabine Schoder dann mit ihrer Story dermassen in den Bann und mit ihrem Schreibstil total überzeugen konnte, hätte ich nicht erwartet. Klar, viele Fakten habe ich schon irgendwo anders einmal gelesen, doch die Autorin hat es geschafft, diese so aufzugleisen, dass ich sie nicht mit anderen Werken vergleichen konnte oder wollte.

Erzählt wird die Geschichte aus der ich-Perspekive der 17-jähirgen Viki. An ihrem Geburtstag braucht ihre beste Freundin einiges an Überzeugungskraft, damit sie Viki dazu bewegen kann, mit ihr auszugehen. Im Black trifft sie dann auf Jay, den Frontmann der gefeierten Band Major Malfunction. Doch er ist ihr alles andere als sympathsich, denn er scheint wirklich alles zu haben - vor allem genügend geifernde Fans. Warum sie dann mit ihm erst einen Joint raucht und dann am nächsten Tag in seinem Bett aufwacht, kann sie sich überhaupt nicht erklären ....

Die beiden sind interessante und facettenreiche Charaktere und obwohl sie noch jung sind, hat das Schicksal bei beiden schon heftig zugeschlagen.
So erleben wir hautnah, wie Viki ihre Vergangenheit zu verarbeiten und ihre Familiensituation auszuhalten versucht und gleichzeitig von einem neuen Gefühlschaos überrollt wird.

Alles endet in einem Kuss.
Einem unendlich langen Kuss, der nur aus der Berührung unserer Lippen besteht. Gefüllt mit einem Wunsch nach etwas, das ich nicht begreife. Für den Splitter eines Atemzuges, für ein Stechen meines Herzens nur, fühlt es sich an ... wie Liebe.     (Seite 99)

Mit ihrem Schreibstil hat Sabine Schoder es geschafft, mich sofort in die Geschichte zu ziehen, so dass ich an den Seiten des Buches hing und es kaum mehr aus der Hand legen konnte. Sie schreibt auf der einen Seite locker und flüssig, auf der anderen Seite jedoch auch sehr intensiv. Die jugendliche Sprache wird mit bildhaften Metaphern und zum Teil sogar beinahe poetischen, oft sehr kurzen Sätzen angereichert, so dass sich das Debüt von Sabine Schoder für mich zu einem richtigen Lesegenuss entwickelte.
Ganz toll gelungen empfand ich auch die Kapitelüberschriften, die immer schon im Voraus neugierig machten und zum Spekulieren anregten. 

Doch die Autorin punktet nicht nur mit ihrem tollen Schreibstil, den interessanten Charaktere und der schönen Liebesgeschichte, nein, sie lässt auch viel Humor mit einfliessen. Mit der oft eingebauten Situationskomik und dem zum Teil bitterbösen Sarkasmus bringt sie nochmals mehr Würze ins Buch. So kann ich euch "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." nur ans Herz legen. Es ist ein packendes Buch, das unter die Haut geht.

Das Leben allerdings besteht nicht aus Wünschen. Es besteht nur aus Dingen, die wir tun, oder die wir sein lassen.      (Seite 323)


Fazit:

"Liebe ist was für Idioten. Wie mich." ist ein fesselndes Buch, das für mich alles für ein Lesehighlight hat: Emotionen, Drama, Spannung, Humor und vor allem einen ausserordentlichen Schreibstil.
Seid also keine Idioten und gönnt euch das Debüt von Sabine Schoder!





Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:


Sabine Schoder: "Liebe ist was für Idioten. Wie mich", FISCHER KJB (23. Juli 2015), 352 Seiten, 978-3733501518
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren




Freitag, 25. September 2015

[Buchtipp] "Du oder das ganze Leben" von Simone Elkeles



Inhalt:


Jeden anderen hätte Brittany Ellis, wohlbehütete Beauty Queen und unangefochtene Nr. 1 an der Schule, lieber als Chemiepartner gehabt als Alex Fuentes, den zugegebenermaßen attraktiven Leader einer Gang. Und auch Alex weiß: eine explosivere Mischung als ihn und die reiche »Miss Perfecta« kann es kaum geben. Dennoch wettet er mit seinen Freunden: Binnen 14 Tagen wird es ihm gelingen, die schöne Brittany zu verführen. Womit keiner gerechnet hat: Dass aus dem gefährlichen Spiel alsbald gefährlicher Ernst wird, denn Brittany und Alex verlieben sich mit Haut und Haaren ineinander. Das aber kann die Gang, der Alex angehört, nicht zulassen …

(Bild- und Textquelle: cbt)




Meinung:


Einstieg ins Buch:
Alle wissen, wie toll ich bin. Mein Leben ist toll. Meine Klamotten sind toll. Und meine Familie ist es erst recht.
Ich reisse mir jeden Tag den Arsch auf, damit alle glauben. mein Leben wäre perfekt. Dabei ist das alles nur Fassade.      (Brittany)

Brittany Ellis wohnt im reichen Teil, Alejandro Fuentes, genannt Alex, im armen Teil von Fairfield. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein, denn Brittany ist die unangefochtene Queen der Schule: sehr hübsch, modebewusst, reich, einfach perfekt. Alex hingegen ist ein richtiger Bad Boy und an der Schule gefürchtet. Er ist nicht nur ein arroganter Macho sondern vor allem auch ein mexikanisches Gangmitglied und so sind ihm weder Gewalt noch Drogendeals ein Fremdwort.

Doch eine Gemeinsamkeit haben die zwei: Beide kommen ins letzte Jahr der Highschool und werden wegen ihren Nachnamen Chemiepartner. So kommen sich die beiden gezwungenermassen näher und können sich erst nicht ausstehen, zu fremd ist die Welt des anderen. Doch dann wettet Alex mit seinen Freunden, dass er es schafft, Brittany zu verführen und es kommt, wie es kommen muss: Die beiden merken, dass die Chemie zwischen ihnen doch stimmt. Doch dagegen haben alle etwas: ihre Freundinnen und Familie und auch seine Familie und Gang.

Der Kerl sieht mit seinem irren Körper und den makellosen Gesichtszügen vielleicht aus wie ein Calvin-Klein-Model, aber viel wahrscheinlicher ist, dass sein Konterfei schon bald für ein Fahndungsfoto benötigt wird.         (Brittany, Position 268)

Die Konstellation der beiden Protagonisten ist nichts Neues. Doch hinter der perfekten Beautyqueen und dem arroganten Bad Boy steckt natürlich weit mehr, als man zuerst denkt, als die beiden ihre Mitschüler sehen lassen. Alex und Brittany halten beide eine Fassade aufrecht, die ihr privates Leben schützen soll. Brittany pflegt zuhause liebevoll ihre schwer behinderte Schwester und kämpft darum, dass sie nicht in ein Heim muss. Alex ist nur in der Gang, um seine Brüder zu schützen, denn nach dem Tod seines Vaters musste einer der Fuentes-Brüder dessen Platz einnehmen. Beides sind sehr facettenreiche Persönlichkeiten und konnten mich überzeugen.
Daneben hat Simone Elkeles eine ganze Palette an interessanten Charaktere entworfen, die zwar grob, aber klar skizziert sind. Vor allem die Chemielehrerin konnte bei mir punkten.

Ich habe nun schon einige Geschichten in diese Richtung gelesen, doch Simone Elkeles konnte mich trotzdem so richtig begeistern. Zwischen Brittany und Alex knisitert es richtig und die Welten der beiden werden schön aufgezeigt. Die Autorin weiss zu überraschen und zu fesseln. Für einmal wurde die schmale Gratwanderung zwischen romantisch und kitschig perfekt gemeistert. Zudem ist die ganze Story auch nicht zu zahm und somit glaubwürdig.

"Wir sind Protagonisten auf der Bühne unseres eigenen Lebens und geben vor, das zu sein, was die Menschen in uns sehen sollen."        (Alex, Position 2379)

Für einmal kann ich nichts Negatives anmerken, sondern mich nur fragen, warum um Himmels willen ich diese Trilogie so lange aufgeschoben hatte. Band 2 und 3 werden bestimmt demnächst verschlungen.

Die Geschichte ist abwechselnd aus der ich-Perspektive von Brittany und Alex geschrieben, was ich sehr gelungen empfand. So bekommt man einen perfekten Einblick in die unterschiedlichen Welten und einen Blick hinter die Fassade der beiden Protagonisten. Der Schreibstil von Simone Elkeles ist wieder sehr locker, jugendlich und erfrischend, so dass die Geschichte einen enormen Sog entwickelte, dass ich das Buch kaum mehr aus den Händen legen konnte.


Fazit:

Nicht nur die Chemie zwischen Brittany und Alex, sondern auch die zwischen "Du oder das ganze Leben" und mir hat gestimmt. Simone Elkeles hat hier die perfekte Formel gefunden: Na + Cl = die Würze des Lesens.





Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:


Simone Elkeles: "Du oder das ganze Leben", cbt (10. Januar 2011), 448 Seiten, 978-3570307182
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren



Infos zur Reihe:



  1. Du oder das ganze Leben
  2. Du oder der Rest der Welt
  3. Du oder die grosse Liebe

Alle drei Bände können bei uns in der Mediathek ausgeliehen werden.

Donnerstag, 27. November 2014

[Buchtipp] "Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte" von Jessica Park


Inhalt:

Julie kann es nicht fassen: Statt die ersten Tage am College zu genießen, beaufsichtigt sie plötzlich eine 13-Jährige, die keinen Schritt ohne die lebensgroße Pappfigur ihres Bruders Finn unternimmt. Zugegeben, ihres sehr gut aussehenden Bruders Finn. Der befindet sich zwar gerade auf Weltreise, schreibt aber E-Mails, die Julies Knie butterweich werden lassen. Doch wieso zögert er seine Rückkehr immer weiter hinaus? Weshalb stört sich niemand an seinem platt gedrückten Doppelgänger? Und verliebt Julie sich tatsächlich gerade in eine Pappfigur?

(Bild- und Textquelle: Loewe Verlag)



Meinung:

Einstieg ins Buch:
Julie Seagle starrte das Gebäude vor sich an und schwor, nie wieder eine Wohnung über Craigslist zu mieten. 

Eigentlich wollte Julie ja in ihre eigene Wohnung ziehen, um in einigen Tagen am College zu beginnen, doch ihre gemietete Wohnung existiert gar nicht und ihr Geld war weg. Sie kommt vorübergehend bei einer alten Studienfreundin ihrer Mutter unter und lernt da eine Familie kennen, die so anders ist als ihre eigene. Alle sind sehr intelligent, Essen wird nur in verschiedensten Restaurants bestellt und auch sonst haben die 'Kinder' so viel Freiraum wie sie möchten, denn die Eltern arbeiten sehr viel und sind immer zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs.

Matt studiert Mathe und Physik und betitelt sich selber als Nerd, was Julie ihm seinen T-Shirts nach zu urteilen, sofort auch glaubt. Zwischen den beiden entwickeln sich witzige und sarkastische Schlagabtausche und Matt hilft ihr bei vielen Dingen. Nur wenn es um seine Familie geht, macht er völlig zu.

"Mom, ich muss jetzt aufhören. Ich glaube, dieser Matt ist hier."
"Bist du sicher, dass er es ist?"
[...] "Der Typ sieht irgendwie verrückt aus. In der einen Hand hält er bunte Süssigkeiten und mit der anderen schwenkt er eine bluttriefende Sichel. Oh! Er winkt mich zum Wagen. Das muss er sein." (Julie, Seite 14)

Matt trägt eigentlich die ganze Verantwortung für seine dreizehnjährige Schwester. Auch sie ist äusserst intelligent, redet sehr hochgestochen, ist in vielen anderen Dingen jedoch noch wie ein Kind. Vor allem ihr Begleiter fällt auf. Ausser in der Schule steht ihr nämlich immer eine lebensgrosse Pappfigur ihres Brudes Finn zur Seite, der seit einiger Zeit auf Weltreise ist.
Celeste ist sehr eigenen und empfindlich und Julie möchte ihr gerne helfen, denn sie mag das Mädchen sehr.

"Oh, Julie, ich habe dich ja noch gar nicht richtig vorgestellt", plappert Celeste fröhlich. Dann drehte sie sich zur Seite. "Papp-Finn, das ist Julie. Juli, das ist Papp-Finn." (Seite 24)

Schnell ist Julie auch mit dem Original-Finn auf Facebook befreundet und so bekommen wir ab und zu die Statusmeldungen von Matt, Finn und Julie zu lesen, was immer sehr interessant ist. Danach werden Nachrichten hin- und hergeschickt und schlussendlich tauschen sich die beiden auch via Chat aus. Die beiden verstehen sich prächtig, können über alles reden, haben den gleichen Humor und von Finn bekommt sie endlich auch die erhoffte Hilfe mit Celeste, die ihr Matt vorenthalten hat. Immer mehr rückt Finn in den Vordergrund - hat sie sich wirklich in eine Pappfigur verliebt?

"Der freie Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte" ist nur schon optisch genau mein Ding. Je länger ich las, desto mehr änderte sich der Titel von "Der freie Fall oder wie ich mich in ein Cover verliebte" in "Der freie Fall oder wie ich mich in ein Buch verliebte". Die Charaktere sind so liebevoll gezeichnet und alles andere als 0815, die Idee mit Papp-Finn ist so skurill, dass ich nur noch fasziniert von Seite zu Seite blättern konnte.
Dazu kommt, dass die Autorin das soziale Netzwerk Facebook äusserst erfrischend und gewinnbringend in die Story eingebaut hat.

Jessica Park hat eine leise, sehr feinfühlige Geschichte geschaffen, die mich mit sarkastischem Humor aber auch mit vielen ernsten Seiten des Lebens in ihren Bann gezogen hat. Und auch wenn ich schon recht früh die Wahrheit erahnt hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, bis ich Gewissheit hatte ....

Fazit:

Langsam aber sicher habe ich mich verliebt .... erst in das Cover, dann in den Titel, in die liebevoll gezeichneten und alles andere als 0815 Charaktere, den sarkastischen Humor, in die witzigen Wortduelle, die unterhaltsamen Chats ..... und vielleicht auch ein bisschen in eine Pappfigur ....
Ein Buch, das man unbedingt im Auge behalten sollte!

Buchtipp von Nicole Forrer


Infos zum Buch:

Jessica Park: "Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte", Loewe Verlag (21. Juli 2014), 384 Seiten, ISBN: 978-3785578674

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre