Donnerstag, 19. Juni 2014

[Buchtipp] "Und dann kam Paulette" von Barbara Constantine

Inhalt:


Fast zwei Monate ist es her, dass Ferdinands Sohn mit Frau und Kindern ausgezogen ist. Seitdem lebt Ferdinand mit seinem Kater allein auf dem großen Bauernhof. An manchen Tagen fragt er sich, wie er dieses einschneidende Erlebnis ohne das Tier verkraftet hätte. Marceline lebt seit vielen Jahren in dem Ort, wo Ferdinand seinen Bauernhof hat. Ein tragisches Ereignis hat sie dazu veranlasst, ihren Beruf als Cellistin an den Nagel zu hängen und ihre Heimat Polen zu verlassen. Doch nun droht ihr im wörtlichen Sinne die Decke auf den Kopf zu fallen, und sie muss noch einmal von vorne beginnen. Und wenn Ferdinand und Marceline sich einfach zusammentäten? Eine WG gründeten, um der Einsamkeit zu trotzen? Es ist ein Experiment, und es glückt. Nach und nach kommen immer mehr Bewohner dazu. Alle haben ihr Päckchen zu tragen, aber alle wollen auch die schönen Seiten des Lebens genießen und finden heraus: Zusammen wohnt man besser als allein.

(Bild- & Textquelle: rowohlt)



Meinung:


Einstieg ins Buch:
Den Bauch hat er ans Lenkrad gepresst, die Nase klebt an der Windschutzscheibe, Ferdinand ist ganz auf die Strasse konzentriert. Der Tachozeiger hat sich auf fünfzig eingependelt, das ideale Tempo.

Dieser federleichte Roman über das Thema „alt werden, loslassen und sich verändern“, hat mich sehr berührt. Ohne den Mahnfinger zu heben, erzählt uns die Autorin, wie die Zukunft von älteren Menschen aussieht, wie man mit Respekt, Verständnis und  Liebe diesen Abschnitt des Lebens bewältigen könnte. Dieses Buch macht Mut und Hoffnung. Auch der Umgang mit dem Tod und dem würdigen Sterben, sowie die Geburt eines Kindes sind in dieser Geschichte verpackt, wirken aber nie lächerlich oder unpassend. Ein Buch mit Herz und Verstand.

Ferdinand, der Hauptprotagonist, ist mir am Anfang unsympathisch, entwickelt sich dann im Laufe des Romans zusehends zu einem kompetenten und netten Kerl.  Er nimmt sein Leben plötzlich selber in die Hand und merkt, dass viele Menschen um ihn herum genauso ein schwieriges Dasein wie er führen. Da er im Besitz eines grossen Bauernhofes ist, der durch den Auszug seines Sohnes jetzt ganz leer steht, nimmt er zuerst seine Nachbarin Marceline bei sich auf. Sie müssen sich aneinander gewöhnen und finden dann eine gute Lösung, damit beide Parteien sich wohl fühlen. Nach und nach ziehen verschiedene Personen, sein Jugendfreund, zwei alte Damen, eine junge Krankenschwester und ein Student, auf Ferdinands Hof ein. Plötzlich ist es wieder interessant und spannend in Ferdinands Leben. Die WG entwickelt sich gut, obwohl viele Turbulenzen vorprogrammiert sind. Sie werden Selbstversorger, pflanzen Gemüse und nehmen Tiere bei sich auf. Doch Paulette verändert dann alles dagewesene…


In Frankreich ist dieser Roman ein Nr. 1-Bestseller.  Ich finde, dass Barbara Constantine eine leicht lesbare Geschichte geschaffen hat,  die aber viele Themen der heutigen Zeit anspricht, oder sogar Lösungen dazu anbietet. 


Buchtipp von Prisca Schweizer



Infos zum Buch:


Constantine, Barbara: "Und dann kam Paulette", 320 Seiten, Kindler (8. März 2013), ISBN: 978-3463406411



Donnerstag, 15. Mai 2014

[Buchtipp] "Wie Monde so silbern" von Marissa Meyer

Inhalt:


Cinder lebt bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern, arbeitet als Mechanikerin und versucht gegen alle Widerstände, sich nicht unterkriegen zu lassen. Als eines Tages in unauffälliger Kleidung niemand anderes als Prinz Kai an ihrem Marktstand auftaucht, wirft das unzählige Fragen auf: Warum braucht Kai ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich, die den Prinzen unbedingt heiraten will?
Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie während des großen Balls, auf den Cinder sich einschmuggelt, ihren Höhepunkt finden. Und diesmal wird Cinder mehr verlieren als nur ihren Schuh …

(Bild- & Textquelle: Carlsen Verlag)



Meinung:

Einstieg ins Buch:Die Schraube in Cinders Fussgelenk war verrostet, der Schlitz zur Mulde zermalmt. Ihre Fingerknöchel schmerzten, als sie den Metallbolzen mit aller Kraft knirschend aus der Verankerung löste.

Wer denkt, Märchen seien ein alter Hut, liegt falsch, denn sie erleben auf dem aktuellen Buchmarkt eine Arte Renaissance. Sie werden zu modernen Liebesgeschichten umfunktioniert oder zu fantastischen Storys aufgepeppt. Doch Marissa Meyer bietet uns mit „Wie Monde so silbern“ etwas Neues: ein sehr futuristisches Aschenputtel, Science Fiction vom Feinsten.

Erst musste ich mich zwar in die hoch technologisierten Welt von Cyborgs und Androiden einlesen, doch dann hat mich die Story total in ihren Bann gezogen.

Immer wieder treffen wir auf Elemente aus dem bekannten Märchen, so wurde zum Beispiel die böse Stiefmutter durch Adri äusserst passend und grausam besetzt. Doch die Autorin verbindet die klassischen Märchenaspekte gekonnt mit ihrer futuristischen Geschichte und legt überaus charmante Protagonisten und einen beeindruckenden Weltenentwurf vor.

Cinder ist ein Cyborg und arbeitet auf dem Markt in Neu-Peking als Mechanikerin. Nach dem vierten Weltkrieg droht dem asiatischen Staatenbund nicht nur von ausserhalb Gefahr, der grösste Gegner, die blaue Pest, lauert innerhalb der Stadtmauern und fordert immer mehr Todesopfer. Als dann an einem Tag auch noch Prinz Kai an Cinders Marktstand auftaucht und sie bittet, seine Androidin zu reparieren, nimmt das Schicksal seinen Lauf und wirft Cinder total aus der Bahn, denn plötzlich muss sie ihre ganze Persönlichkeit in Frage stellen.

Es war einer der seltenen Momente, in denen sie froh darüber war, keine Tränenkanäle zu haben, sonst wäre sie bestimmt schluchzend zusammengebrochen. Und dann hätte sie sich noch viel schrecklicher gefühlt.



Fazit:

Marissa Meyer konnte mich mit ihrer futuristischen Aschenputtel-Adaption überraschen und faszinieren. Ich klebte förmlich an den Seiten und ich möchte unbedingt wissen, wie es mit Cinder weitergeht wenn ihr ein modernes Rotkäppchen zur Seite gestellt wird. Zum Glück ist „Wie Blut so rot“ schon erhältlich.



Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:


Meyer, Marissa "Die Luna Chroniken 01. Wie Monde so silbern", 416 Seiten, Carlsen (20. Dezember 2013), ISBN: 978-3785578452
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren



Donnerstag, 8. Mai 2014

[Buchtipp] "Was ich dich träumen lasse" von Franziska Moll

Inhalt:

Elena hat ihr Glück gefunden – mit Rico. Doch ein schwerer Autounfall reißt Rico aus Elenas Leben in die Tiefen eines Komas. Tag für Tag zeigt Elena ihm nun, was das Leben für ihn bereithält, und wofür es sich lohnt, zurückzukommen: für ihre Liebe.

Elena ist bis in die Tiefe ihrer Seele erschüttert. Ein Leben ohne Rico ist für sie nicht denkbar, nicht fühlbar. Wie kann sie Rico in der Schwärze seines Komas helfen? Dann findet sie auf seinem Computer eine Liste: die Top Ten der Dinge, die Rico vor seinem Tod noch erleben und tun wollte. Elena fasst einen Entschluss: Solange Rico nicht selbst sein Leben leben kann, wird sie seine Top Ten abarbeiten und ihm jeden Tag von ihren Erfahrungen berichten.
Ihr zur Seite steht ganz unerwartet ein hartgesottener junger Krankenpfleger, der für jede Gelegenheit den unpassendsten Spruch parat hat. Seine Freundschaft hilft Elena, Rico nah zu bleiben und die Hoffnung nicht aufzugeben. Sie weiß, es lohnt sich, bis zum Ende zu kämpfen.

(Bild- und Textquelle: Loewe Verlag)


Meinung:

Ohne die beiden Protagonisten gross kennezulernen, steigen wir mir ihnen in die Geschichte ein und sind durch die Präsens-Form direkt mitten in ihrem Leben. Nach und nach lernen wir Rico und Elena besser kennen. Er, offenherzig, der Liebling der Schule, immer gut gelaunt, stets einen Witz auf Lager, leuchtet von innen. Sie, die kaum jemanden an sich heranlässt, einen dunklen Fleck in der Vergangenheit hat, eine harte Nuss ist, die nur von ihm geknackt werden kann. Zusammen sind sie alles, ein Ganzes.

“Was soll das eigentlich heißen, passt auf euch auf. Ich auf mich. Und du auf mich. Oder wir aufeinander?”     (Seite 14)

Weisst du, wie sehr ich dein Universum liebte? Du hattest so viel davon, dass sogar etwas für mich abfiel. Ich konnte mich täglich darin aalen. In deiner Sorglosigkeit. Deiner Zuversicht. Deiner Unschuld. (Seite 109/110)
Und dann, durch einen kurzen Augenblick der Unaufmerksamkeit, wird ihr ganzes Leben aus der Bahn geworden. Rico liegt im Koma, Elena sitzt am Krankenbett und hält sich an ihm, ihrem Strohhalm, ihrem Lichtblick im Leben, fest. Taucht ein in ihre gemeinsame Vergangenheit. Passend zu Stichworten, Situationen aus dem Jetzt, kommen Elena Dialoge zwischen ihr und Rico in den Sinn und wir lernen die beiden immer besser kennen. Erst vor allem Rico, dann dringen wir ganz langsam auch zu Elena durch, die sich mit ihrer zum Teil sehr abweisenden Haltung, ihrer Schroffheit, ihrem Zynismus eine dicke Schutzmauer um sich aufgebaut hat. Relativ früh erkennen wir den dunklen Fleck in ihrer Vergangenheit, und um damit fertig zu werden, muss sie nicht nur einmal über ihren Schatten springen. Doch sie hat ein grosses Ziel: Mit allen Mitteln will sie ihre grosse Liebe zurück ins Leben holen.


Die Welt dreht sich. Aber ohne mich. Ich renne ihr davon.       (Seite 78) 

Viele Bücher handeln von Trauer, Angst und Verlust, doch Franziska Moll setzt das Thema Koma so eindringlich, so greifbar um, dass man stellenweise nur mit einem dicken Kloss im Hals weiterlesen kann.

Manchmal ist weniger mehr. Franziska Moll lässt uns auf 'nur' 250 Seiten die ganze Bandbreite der Gefühle spüren. Ihr schlichter, schon fast poetischer Schreibstil ist sehr intensiv, eindringlich und einfach anders. Ein Buch, das man nicht mehr so schnell vergisst.

Es ist wie bei einem Autounfall. Zu schrecklich, um hinzusehen, und doch kann man den Blick nicht abwenden.     (Seite 212)


Fazit:

Ein kleines Stück Poesie und ganz grosse Emotionen .... "Was ich dich träumen lasse" kann man nicht wirklich beschrieben, man muss es einfach selber erleben, selber lesen ....


Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:

Moll, Franziskal: "Was ich dich träumen lasse", 256 Seiten, Loewe Verlag (20. Januar 2014), ISBN: 978-3785578452
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre


Mittwoch, 23. April 2014

Buch auf Reisen - Nimm mich mit!





Diese Bücher wurden weder verloren, noch vergessen.

Sie wurden absichtlich von unserer Mediathek in Steckborn freigelassen, damit sie gefunden werden können.

Nach dem Lesen einfach an Freunde weitergeben oder wieder freilassen!

Falls du Lust auf mehr Bücher bekommen hast, oder gerne deine Meinung über dieses Buch abgeben möchtest, kannst du dies hier sehr gerne mit einem Kommentar machen und/oder bei uns an der Seestrasse vorbeischauen.


Dienstag, 22. April 2014

Welttag des Buches





Am 23. April ist Welttag des Buches.
In Steckborn wurden Bücher ausgesetzt, bitte finden und lesen Sie diese und geben Sie sie weiter oder schreiben uns ihre Meinung dazu hier auf unserer Homepage.


[Event] Matinée mit Lyrik und Musik



Sonntag, 18. Mai 2014, 11 Uhr


Lili Keller: «Im Licht der Sonne»






Die Steckborner Lyrikerin Lili Keller liest aus ihrem neuen Buch.



Astrid Frei aus Mammern und Ursula Lang aus Ermatingen spielen Werke für klassische Gitarre 
von Ferdinando Carulli (1770 – 1841) und Fernando Sor (1778 – 1839).




               10.30    Türöffnung und Begrüssungsapéro

               11.00     Beginn der Veranstaltung

                           Eintritt frei. Kollekte


Donnerstag, 17. April 2014

[Buchtipp] "Es wird keine Helden geben" von Anna Seidl


Inhalt:

Berührend, fesselnd, unfassbar: Wenn nichts mehr ist, wie es war. Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe?

(Bild- und Textquelle: Oetinger)


Meinung:

Einstieg ins Buch:
Alles wird damit beginnen, dass ich verschlafe. Würde mein Freund mit keine SMS schreiben, würde ich nicht pünktlich zur Schule kommen.

"Es wird keine Helden geben" ist das eindrucksvolle Debüt einer jungen deutschen Autorin, die sich gleich mit einer sehr schwierigen Thematik befasst: einem Amoklauf in einer Schule.

Schon mit dem ersten Satz ahnen wir, dass sich Miriams Leben verändern wird. Dass dies so drastisch und wohl für immer ist, wird einem dann auf den nächsten Seiten klar.
Wie viel kann ein Mensch ertragen, um weiterleben zu können, weiterleben zu wollen?
Miriam wird Zeuge eines Amoklaufs an ihrer Schule, muss mit eigenen Augen zusehen, wie ihr Freund Tobi in einer Blutlache liegt. Dieses schreckliche Erlebnis kann sie nicht verarbeiten und zieht sich völlig zurück.

Das Buch behandelt vor allem die Zeit nach dem Amoklauf, lässt uns mit Miriam erstarren, leiden, hinterfragen.
Immer wieder stellt sie sich die Frage des Warums, doch auch das ganze vergangene Leben wird in Frage gestellt.

Wir durchleben jeden Augenblick nur ein einziges Mal. Er wird sich nicht mehr wiederholen. Leider schätzen wir das Leben trotzdem nicht mehr.     (Seite 75)

Da die Geschichte aus der ich-Perspektive von Miriam geschildert wird und so tauchen wir tief in ihre Gefühlswelt ein. Abwechselnd erleben wir einen dicken Nebel aus Abblocken und eine hohe Woge an Gefühlen, die über uns zusammenschlägt: Verzweiflung, Angst, Mutlosigkeit, Trauer, Wut ....

Dazwischen ermöglicht uns Anna Seidl durch Rückblicke Miriams leben davor kennenzulernen. Wir erleben mir ihr Erinnerungen an Tobi, an ihre beste Freundin Joanne, aber auch an Situationen mit dem Amokschützen, mit denen sie sich das traumatische Erlebnis zu erklären versucht.

Denn egal, wie viel Schmerz du ertragen musst, egal wie viele Tränen du vergisst, egal, wie oft du hinfällst - solange es jemanden gibt, der dir die Hand reicht, stehst du immer wieder auf.         (Seite 76)

Anna Seidls Schreibstil ist wahnsinnig eindringlich, emotional und sie schreibt sich mit jedem Wort direkt unter meine Haut und zaubert eine Gänsehaut darauf.

"Es wird keine Helden geben" ist nicht einfach nur ein Buch - es ist wohl DAS Jugendbuch zum Tabuthema Amoklauf, denn wie auch Miriam denkt wohl jeder von uns: "Ein Amoklauf? Bei uns doch nicht ....". Aus diesem Grund empfehle ich jedem diese Lektüre, aber Achtung: Gänsehaut und Kloss im Hals sind garantiert. Für andere Nebenwirkungen übernehme ich keine Verantwortung.
Manchmal müssen wir einsehen, dass wir nicht perfekt sind. Dass nicht immer alles perfekt laufen kann. Und vielleicht ist das okay. Vielleicht müssen wir nicht immer perfekt funktionieren wie Maschinen, um das perfekte Leben führen zu können. Vielleicht sind es ja genau diese kleinen Fehler, die das Leben lebenswert machen.         (Seite 200)

Fazit:

Anna Seidl findet in ihrem Debüt "Es wird keine Helden geben" äusserst eindrückliche Worte zum schweren Thema Amoklauf. Mit ihrem eindrucksvollen Schreibstil setzt sie uns einen Kloss in den Hals und lässt uns schlussendlich sprachlos zurück. Lesen!

Buchtipp von Nicole Forrer



Infos zum Buch:

Seidl, Anna: "Es wird keine Helden geben", 256 Seiten, Oetinger (20. Januar 2014), ISBN: 978-3789147463
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 
14 - 17 Jahre