Sonntag, 17. März 2013

[Buchtipp] "Kirschroter Sommer" von Carina Bartsch

Würdest du deiner ersten Liebe eine zweite Chance geben?

Die erste Liebe vergisst man nicht. Niemand weiß das besser als Emely. Nach sieben Jahren trifft sie wieder auf Elyas, den Mann mit den leuchtend türkisgrünen Augen. Der Bruder ihrer besten Freundin hat ihr Leben schon einmal komplett durcheinander gebracht, und die Verletzung sitzt immer noch tief. Emely hasst ihn, aus tiefstem Herzen. Viel lieber lenkt sie ihre Aufmerksamkeit auf den anonymen E-Mail-Schreiber Luca, der mit seinen sensiblen und romantischen Nachrichten ihr Herz berührt. Aber kann man sich wirklich in einen Unbekannten verlieben?
(Bild- und Textquelle: Rowohlt)


meine Meinung:


Einstieg ins Buch:
Es war jedes Mal dasselbe: Entweder die Zeit war von vornherein mein Feind, oder einer meiner Mitmenschen machte mir bei dem kläglichen Versuch, wenigstens einmal im Leben pünktlich zu sein, einen Strich durch die Rechnung.

Emily studiert in Berlin Naturwissenschaften und freut sich riesig, dass ihre beste Freundin Alex von München zu ihr in die Hauptstadt zieht, denn so können sich die beiden wieder regelmässig sehen. Einen Nachteil hat die Sache allerdings auch: Alex zieht zu ihrem Bruder Elyas und den möchte Emily am liebsten nie wieder sehen, denn nach einem Vorfall in ihrer Jugend hasst sie ihn.

“Kirschroter Sommer” ist aus der Sicht von Emily geschrieben und so taucht man mit ihr ab und bekommt einen tiefen Einblick in ihre Gefühlswelt. Wir erleben ihre Unsicherheiten, ihre Ängste, ihre Verletzlichkeit, ihren Hass, fühlen mit ihr, verstehen sie, beginnen zu zweifeln . . .

Als Emily nach Jahren des Verdrängens wieder auf Elyas trifft, weiss sie sich nicht anders zu helfen, als eine riesige Schutzmauer aufzubauen und ihn mit zum Teil wirklich fiesen Sprüchen auf Distanz zu halten und abzuschrecken. Doch das funktioniert nicht so ganz wie sich Emily das vorgestellt hat, denn auch Elyas ist nicht auf den Mund gefallen und er scheint grossen Gefallen an ihrem verbalen Schlagabtausch zu haben. So werden wir Zeuge von bissigen Wortgefechten, bei denen ich zum Teil laut auflachen musste. Carina Bartsch schreibt diese mit einem so herrlichen Humor, dass ich als Leser bestens unterhalten wurde und immer mehr wollte.

Mein Versuch, ihn wegzuradieren, funktionierte nicht im Geringsten. Elyas war keine dünne Bleistiftlinie, die man mal eben löschen könnte, nein. Elyas war schwarze Tinte, die sich in meine Leben saugte wie in trockenes Papier. (Seite 204)

Erst habe ich noch mit Emily sympathisiert, denn man merkt, dass ihr Hass auf Elyas die Reaktion auf eine tiefe Verletzung aus der Vergangenheit ist. Doch nach und nach lernt man Elyas besser kennen und spätestens als er dann seine Taktik ändert und auf Frontalkurs mit seinem “Schatz” Emily geht, war es um mich geschehen . . .
Elyas ist ein vielschichtiger und charismatischer Protagonist, der mir nach und nach immer mehr ans Herz gewachsen ist. Und obwohl auch ich ihm zwischendurch gerne einmal ein “Blödmann” an den Kopf geworfen hätte, merkte ich rasch, dass da mehr dahinter stecken musste.

Nebenbei unterhält Emily noch eine E-Mail-Bekanntschaft mit Luca. Es scheint, als finde Luca immer die richtigen Worte, denn er schreibt sich mit seinen Nachrichten direkt in Emilys Herz. Und obwohl (oder gerade weil) sie ihn noch nie gesehen hat, kann sie sich im gegenüber öffnen und so lernen wir die sonst so streitlustige und forsche Emily von einer ganz anderen Seite kennen.

Toll fand ich diese Achterbahn der Gefühle, dieses Hin- und Hergerissen sein und selbstverständlich diese knisternden Szenen, bei denen man fieberhaft die Seiten umblättert und sich mehr wünscht.
Carina Bartsch versteht es wie kaum eine andere Autorin, so authentisch, modern und emotional zu schreiben, dass ich selber auf diese Achterbahn der Gefühle mitgenommen wurde.

“Seine Augen… Es war wie ein Sprung in die Tiefsee, ohne Hoffnung, den Meeresgrund jemals zu erreichen.” (Seite 397)

Ich hatte grosse Erwartungen an “Kirschroter Sommer” und sie wurden übertroffen. Ich bin in die Geschichte von Emily und Elyas eingetaucht und erst nach 512 Seiten wieder aufgetaucht. Ich habe gelacht, gehofft, gebangt, mich geärgert, gelitten . . . mich verliebt.

Fazit:

“Kirschroter Sommer” ist für mich nicht einfach nur eine Liebesgeschichte. Ich hatte das Gefühl als wäre ich mittendrin und es kribbelte ganz schön beim Lesen.
Ich bin verliebt . . . . verliebt in zwei vielschichtige Protagonisten, in die bissigen Wortgefechte, in Carina Bartschs authentischen Schreibstil . . . in “Kirschroter Sommer”.

Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

Carina Bartsch: “Kirschroter Sommer”, 512 Seiten, rororo; Auflage: 2 (25. Januar 2013)ISBN 978-3499227844